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Urlaub

Die Informationen rund um den Urlaub beziehen sich immer auf den gesetzlichen Mindesturlaub. Für den vertraglichen Zusatzurlaub können andere Regeln gelten, müssen aber nicht. Das hängt vom jeweiligen Arbeits- oder Tarifvertrag ab. Auch eine betriebliche Praxis kann die Regeln ändern, allerdings nur zu Gunsten des Arbeitnehmers. § 13 BUrlG schränkt Abweichungen zulasten der Arbeitnehmer ein. In den untenstehenden Berechnungen wird immer von einer Fünf-Tage-Woche und 20 Arbeitstagen Urlaub als Grundfall ausgegangen.

Wieviel Urlaub steht mir gesetzlich zu?

Im Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) ist der gesetzliche Mindesturlaub geregelt. Er beträgt 24 Werktage. Das Gesetz geht dabei von einer Sechs-Tage-Woche aus (Montag-Samstag). Wenn Sie in einer Fünf-Tage-Woche arbeiten, dann müssen Sie umrechnen: 24 : 6 x 5 = 20. Der Urlaub beträgt also 20 Arbeitstage; bei einer Fünf-Tage-Woche ändert sich auch die Bezeichnung von Werktage in Arbeitstage.

Urlaub wird für jeden vollen Monat des Bestehens des Arbeitsverhältnisses gewährt. Damit ist der Zeitmonat gemeint, nicht der Kalendermonat.

Was ist ein vertraglicher oder tariflicher Zusatzurlaub?

Viele Arbeitnehmer erhalten mehr Urlaub als nur den gesetzlichen Mindesturlaub. Die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts zum Urlaub hat sich wegen einiger Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs geändert. In aktuellen Arbeitsverträgen wird  – wenn der Arbeitgeber gut beraten ist – zwischen dem gesetzlichen Mindesturlaub und dem vertraglichen Zusatzurlaub unterschieden. Die verpflichtenden Regeln des BUrlG gelten nur für den Mindesturlaub. Im Arbeitsvertrag können daher für den Zusatzurlaub abweichende Regeln vereinbart werden, z.B. über die Übertragung ins Folgejahr, den Verfall bei Krankheit oder bei der Quotelung, wenn Sie in der zweiten Jahreshälfte aus den Arbeitsverhältnis ausscheiden.

Wird nicht zwischen gesetzlichem und vertraglichen Urlaub unterschieden

“Der Arbeitnehmer erhält 30 Arbeitstage Urlaub pro Kalenderjahr.”

dann müssen auf den gesamten Urlaub die Regeln für den gesetzlichen Urlaub angewendet werden.

Wieviel Urlaub steht mir bei Teilzeit zu?

Feste Arbeitstage pro Woche

Bei Teilzeit muss der Urlaub umgerechnet werden. Wenn Sie an drei Tagen in der Woche arbeiten, dann ergibt sich: 3 Arbeitstage bei Teilzeit : 5 Wochenarbeitstage x 20 Arbeitstage Urlaubsanspruch bei Vollzeit x = 12 Urlaubstage für Teilzeit. Die Berechnung ist eigentlich ganz einfach zu verstehen: Sie müssen immer 4 Wochen im Jahr frei haben. Wenn Sie an drei Tagen in der Woche arbeiten, benötigen Sie 4 x 3 Tage, um vier Wochen frei zu erhalten. An den zwei restlichen Tagen müssen Sie nicht arbeiten, Urlaub dafür ist nicht notwendig. Beträgt der gesamte Urlaubsanspruch für Vollzeitbeschäftigte 25 Arbeitstage, rechnen Sie: 3 : 5 x 25 = 15!

Es kommt nicht darauf an, wie viele Stunden Sie an einem Tag arbeiten. Wenn Sie beispielsweise 12 Stunden in der Woche arbeiten, einmal 8 Stunden und einmal vier Stunden, dann haben Sie pro Jahr 8 Tage Urlaub und müssen für jeden freien Tag einen Urlaubstag einsetzen.

Wechselnde Arbeitstage pro Woche

Auch für diesen Fall gibt es eine Formel:

20 Urlaubstage pro Jahr : 260 Arbeitstage pro Jahr für Vollzeitbeschäftigte (52 Wochen x 5 Arbeitstage) x individuelle Jahresarbeitstage (die müssen Sie dann abzählen).

Ein Beispiel: 20 : 260 x 130 = 10 Urlaubstage

Urlaub bei geringfügiger Beschäftigung

Ein Minijob ist ein ganz normales Teilzeitarbeitsverhältnis mit Urlaubsanspruch. “Geringfügig” bedeutet nur, dass andere Regeln für die Sozialabgaben gelten. Arbeitsrechtlich gibt es keinen Unterschied, egal wie lange Sie pro Woche arbeiten.

Kann ich während der Probezeit Urlaub nehmen?

Leider nein. § 4 BUrlG schreibt eine Wartezeit von sechs Monaten vor. Erst mit Beginn des siebten Monats entsteht der Urlaubsanspruch, dann aber gleich in voller Höhe. Bei der Probezeit sind zwei Sonderregeln zu beachten:

  • Wird das Arbeitsverhältnis bereits während der Probezeit gekündigt, erhalten Sie einen Teilurlaub nach § 5 Abs. 1 b) BUrlG, den Sie auch während des noch bestehenden Arbeitsverhältnisses nehmen dürfen.
  • Wenn die Wartezeit mit dem 31.12. abläuft, müssen Sie einen Antrag auf Übertragung in das nächste Jahr stellen, sonst verfällt der Urlaub am Jahresende, § 7 Abs. 3 Satz 4 BUrlG.

Was bedeutet die Wartezeit beim Urlaub?

Während der sechsmonatigen Wartezeit nach § 4 BUrlG wird vom Arbeitgeber nicht verlangt, dass Ihnen Urlaub geben muss. Die Wartezeit ist damit genau so lang wie die längstmögliche Probezeit nach § 622 Abs. 3 BGB. Sie ist allerdings nur einmal zu Beginn des Arbeitsverhältnisses zurückzulegen. In den Folgejahren entsteht der gesamte Urlaubsanspruch eines Jahres bereits am 1.1. Sie erhalten also nicht Monat für Monat 1/12 des Jahresurlaubs, sondern können bereits im Januar zwei Wochen Urlaub nehmen.

Wer darf den Urlaub bestimmen?

Der Arbeitnehmer bestimmt den Urlaub

Sie als Arbeitnehmer dürfen selbst bestimmen, wann Sie Ihren Urlaub nehmen möchten. Wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen eine Urlaubszeit “zuteilt”, dürfen Sie diese ablehnen und einen eigenen Wunsch äußern.

Der Arbeitgeber darf Urlaub ablehnen

Ihr Arbeitgeber darf den Urlaub in zwei Fällen ablehnen, § 7 Abs. 1 Satz 1 BUrlG:

  • Dringende betriebliche Belange stehen entgegen: Es müssen wirklich wichtige Gründe sein, z.B. plötzliche Unterbesetzung wegen eines hohen Krankenstandes oder arbeitsintensive Zeit (“Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel”). Eine schlechte Arbeitsorganisation ist kein Ablehnungsgrund.
  • Entgegenstehende Wünsche anderer Arbeitnehmer: Wenn nicht alle Mitarbeiter in den Ferien Urlaub nehmen können, muss der Arbeitgeber bei der Urlaubsplanung soziale Gesichtspunkte berücksichtigen. Gibt es einen Betriebsrat, darf er bei allgemeinen  Urlaubsgrundsätzen oder bei Streit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern mitbestimmen, § 5 Abs. 1 Nr. 5 BetrVG.

Urlaub nach medizinischer Rehabilitation

Wenn Sie den Urlaub nach einer medizinischen Rehabilitationsmaßnahme nehmen wollen, darf Ihr Arbeitgeber Ihnen dies nicht verwehren, § 7 Abs. 1 Satz 2 BUrlG.

Urlaub von Januar bis März im Folgejahr

Wurde Ihr Urlaub ins Folgejahr übertragen, weil der Arbeitgeber ihn aus dringenden betrieblichen Gründen abgelehnt hat oder Sie ihn wegen Krankheit nicht nehmen konnten, dann müssen Sie ihn in den ersten drei Monaten des Jahres nehmen und der Arbeitgeber darf Ihren Wunsch nicht ablehnen, § 7 Abs. 3 Satz 3 BUrlG.

Gibt es halbe Urlaubstage?

Im BUrlG gilt das “Tagesprinzip”. Urlaub kann wirksam nur für ganze Tage, nicht stundenweise oder für halbe Tage gewährt werden. Die betriebliche Praxis ist oft anders – wo kein Kläger, da kein Richter.

Nur wenn sich bei der Berechnung des gesamten Jahresurlaubs tatsächlich ein Bruchteil eines Tages ergibt, beispielsweise bei Quotelung, dann muss dieser für einige Stunden gewährt werden.

Muss ich zuviel gezahlten Urlaub zurückzahlen?

Wenn Sie im Februar für zwei Wochen in die Sonne reisen und sich später entscheiden, zum 30.04. zu kündigen, dann haben Sie mehr Urlaub in Anspruch genommen, als Ihnen zusteht. Ihr Urlaubsanspruch wird gequotelt, weil Sie vor dem 30.06. ausscheiden. § 5 Abs. 3 BUrlG verbietet aber Ihrem Arbeitgeber, zuviel gezahltes Urlaubsentgelt zurückzufordern. Mit Urlaubsentgelt ist das weitergezahlte Gehalt gemeint. Denn für vier Monate stehen Ihnen nur sieben Urlaubstage zu. Die fehlenden drei Tage muss er trotzdem bezahlen.

In Tarifverträgen können abweichende Regelungen vereinbart werden.

Was ist der Unterschied zwischen Urlaubsentgelt, Urlaubsgeld und Urlaubsabgeltung?

Diese drei Begriffe haben bezeichnen tatsächlich nicht das gleiche:

  • Urlaubsentgelt: Das ist das Gehalt, das in der Zeit des Urlaubs gezahlt wird. Manchmal gibt es am Monatsende auf der Abrechnung keinen Unterschied, z.B. wenn ein festes Monatsgehalt gezahlt wird. Es gibt aber auch Tarifverträge, bei denen der für die Urlaubszeit zu zahlende Betrag aufwendig ermittelt werden muss, z.B. im Gerüstbauerhandwerk.
  • Urlaubsgeld: Ein zusätzlicher Betrag, den der Arbeitgeber zahlt; sozusagen ein Weihnachtsgeld im Sommer. Urlaubsgeld muss aber im Arbeits- oder Tarifvertrag vereinbart worden sein. Einen gesetzlichen Anspruch darauf gibt es nicht.
  • Urlaubsabgeltung: Wenn das Arbeitsverhältnis endet, aber noch Urlaub offen ist, wird dieser ausgezahlt, also abgegolten, § 7 Abs. 4 BUrlG.

Kann ich mir den Urlaub auszahlen lassen?

Im laufenden Arbeitsverhältnis muss der Urlaub entweder genommen werden oder er verfällt. Es gibt nur einen einzigen Fall, in dem der Urlaub ausgezahlt werden darf: Das Arbeitsverhältnis endet, § 7 Abs. 4 BUrlG.

Es sind noch viel mehr Fragen offen. Die Antworten werden nach und nach ergänzt.

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