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Krank beim Anwalt – Eine arbeitsvertragliche Posse

Und ich dachte immer, besonders Ärzte hätten eine kreative Einstellung zum Arbeitsrecht. Ich erinnere mich noch an einen unserer Fälle, als die schwanger gewordene Arzthelferin (unsere Mandantin) kein Weihnachtsgeld erhielt. Nein, mit der Schwangerschaft und dem Beschäftigungsverbot hat das nichts zu tun, ehrlich. Sagte der Chef. Im Prozess wird munter diskutiert, bis wir die Stellenanzeige des Arztes vorlegen, in der er eine neue Helferin mit den Worten suchte:

Gibt es noch Arzthelferinnen, die nicht schwanger werden?

Blattschuss! Verfahren erledigt.

Nun gut, auch Anwälte scheinen machmal um lustige Einfälle nicht verlegen zu sein. Eine Frankfurter Anwaltskanzlei diktierte ihren Mitarbeitern im Arbeitsvertrag, sich nur bei einem bestimmten Arzt untersuchen zu lassen, wenn sie krank sind. Dazu sollten sie ihn auch gleich von seiner Schweigepflicht entbinden. Sonst gäbe es keinen Lohn.

Da wünsche ich doch dem Arbeitsgericht Frankfurt (Urteil vom 9.11.2011 –  7 Ca 1549/11) den Stempel, mit dem angeblich Otto Steinert, Fotografie-Professor an der Folkwang-Hochschule in Essen, schlechte Arbeiten von Studenten als „Scheisse“ gebrandmarkt haben soll. Der würde sich auch auf dem Arbeitsvertrag gut machen.

Klar ist: So geht´s nicht. Wenn der Arbeitgeber Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit des Mitarbeiters hat, kann er den Medizinischen Dienst der Krankenkasse mit einer Untersuchung beauftragen. Die Entgeltfortzahlung bei Krankheit darf er auch nicht mit bestimmten Bedingungen verbinden.

Fortsetzung folgt: Arbeitsvertrag – Die Berufung ( Hess. LAG – 12 Sa 1805/11). Darf ja nicht sein, dass nur ein Arbeitsgericht über den Vertrag entscheidet.

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